Das Wichtigste
- Großer schwarzgrundiger Oecus in Regio IX, Insula 10
- Bildfelder mit Paaren aus dem Trojanischen Sagenkreis
- Der Fund gehört zu einem noch laufenden Grabungsprojekt
Die Meldung vom „Speisesaal mit Bildern des Trojanischen Krieges“ trifft den Kern des Fundes, verkürzt aber seinen Kontext. Der Saal gehört zu einer großen Domus hinter zwei zu Werkstattkomplexen umgebauten Häusern. Freigelegt wurde er im Zuge eines Projekts, das Ausgrabung, Sicherung und hydrogeologische Neuordnung miteinander verbindet.
Ein Saal hinter zwei Werkstatthäusern
Seit 2023 wird in der Insula 10 eine etwa 3.200 Quadratmeter große, zuvor weitgehend unberührte Fläche untersucht. Das Projekt soll den alten Grabungsrand sichern, die Entwässerung verbessern und den städtebaulichen Zusammenhang an der Via di Nola wieder lesbar machen. 2
Hinter einem als Bäckerei genutzten Haus und einer Wäscherei zeichnet sich eine größere Domus ab. In einer Erweiterungsphase kamen dort ein Badetrakt sowie der große Oecus mit Vorraum und separatem Bedienungsgang hinzu. Zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs waren in dem Komplex Umbauten im Gang. 1
Gesichert und noch offen
Öffentlich belegt
- Lage in der Insula 10 der Regio IX
- großer Oecus mit schwarzgrundiger Dekoration des III. Stils
- Bildfelder mit Paaren aus dem Trojanischen Sagenkreis
- breite Öffnung nach Westen und Verbindung zu weiteren Repräsentationsräumen
Noch zu klären
- vollständige Raumfolge der noch nicht ganz freigelegten Domus
- präzise Bau- und Umbauchronologie des Saals
- Eigentumsverhältnisse und Rolle des Aulus Rustius Verus
- konkrete Nutzung des Raums in den letzten Jahren vor 79 n. Chr.
Mythologische Paare als Gesprächsraum
Die Wandfelder zeigen unter anderem Helena und Paris sowie Apollon und Kassandra. Beide Paare verbinden persönliches Handeln mit den unabwendbaren Folgen des Trojanischen Krieges. In einem repräsentativen Raum konnten solche Bilder gelehrtes Wiedererkennen, Unterhaltung und moralische Deutung zugleich anregen. 1
Diese kommunikative Funktion ist eine historische Interpretation des Ensembles, keine direkt beobachtbare Raumnutzung. Sicher ist zunächst die bewusste Auswahl der Motive und ihre Einbindung in eine schwarzgrundige, architektonisch gefasste Dekoration.

Mehr als eine spektakuläre Einzelentdeckung
Der Schwarze Saal ist Teil einer außergewöhnlich dicht dokumentierten Forschungsfläche. Spätere Arbeiten in der Regio IX erschlossen weitere Räume, Opfer, Produktionsbereiche und einen großen privaten Badekomplex. Das verändert den Bezugsrahmen laufend und spricht gegen eine isolierte Betrachtung einzelner Pressebilder. 3
Für die wissenschaftliche Einordnung entscheidend bleiben daher nicht nur die Malereien, sondern ihre Verbindung mit Baugeschichte, Zugangswegen, Wirtschaftsbereichen und dem unfertigen Zustand des Hauses im Jahr 79 n. Chr.
Quellen und Beleglage
- 1 · Wissenschaftlicher VorberichtZuchtriegel et al.: Quando la Guerra di Troia non era ancora decisa. Il salone nero …, E-Journal degli Scavi di Pompei 4, 2024
Primärbericht zu Architektur, Wanddekoration und vorläufiger Einordnung des Saals.
- 2 · Grabungs- und ProjektkontextAmoretti et al.: Ri-scavare Pompei: nuovi dati interdisciplinari … Regio IX, 10.1.4, 2023
Ziele, Ausdehnung und methodischer Rahmen der seit 2023 laufenden Arbeiten.
- 3 · Institutioneller ÜberblickParco Archeologico di Pompei: Regio IX – laufende Berichte und Funde
Thematische Übersicht des Parks mit späteren Meldungen und Grabungsberichten.
