Kurz gesagt

Das Wichtigste

  • Am 4. August 2026 dokumentierte das Regionale Historische Museum Pleven acht Pfeilerbasen nahe Colonia Ulpia Oescus.
  • Die Reste liegen weiterhin etwa 70 Zentimeter unter Wasser und sind von der Oberfläche kaum, in Drohnenbildern jedoch deutlich zu erkennen.
  • Die wohl am 5. Juli 328 eingeweihte Brücke führte über mehr als 2,4 Kilometer bis Sucidava; Messungen von 2017 und 2022 hatten bereits zahlreiche mögliche Pfeiler lokalisiert.

Die Konstantinsbrücke ist keine Neuentdeckung. Antike Texte, ältere Grabungen und moderne Messungen belegen das monumentale Bauwerk seit Langem. Das außergewöhnliche Niedrigwasser der Donau eröffnete dem Regionalen Historischen Museum Pleven nun jedoch ein seltenes Beobachtungsfenster: Mit einer Drohne ließ sich der Zustand mehrerer sonst im Fluss verborgener Pfeilerbasen aus der Luft dokumentieren.

Ein seltenes Sichtfenster – keine Neuentdeckung

Am 4. August 2026 nahm ein Team des Regionalen Historischen Museums Pleven die im Donauwasser liegenden Reste bei Gigen auf. Lokale Fischer hatten die Fachleute auf ihre Lage hingewiesen. Der niedrige Wasserstand erleichterte die Dokumentation, doch von vollständig freigelegten Fundamenten kann keine Rede sein: Nach Angaben des beteiligten Archäologen Pavel Popov liegen die beobachteten Partien noch ungefähr 70 Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Vom Ufer aus sind sie kaum auszumachen; erst die Drohnenperspektive macht ihre Konturen lesbar. 1 2

Das Museum zählt vom bulgarischen Brückenkopf in Richtung der rumänischen Gewässer acht Basen im Abstand von etwa 30 bis 35 Metern. Auf den Aufnahmen sollen bis zu fünf Lagen römischen Mauerwerks erkennbar sein. Genannt werden Steinquader, Ziegel und ein unter Wasser erhärtender Mörtel beziehungsweise hydraulischer Beton. Die neue Kampagne liefert damit vor allem Zustandsbilder und Detailbeobachtungen zu einem bekannten Bauwerk. 2

Beleglage

Was ist belegt – was bleibt offen?

Belegt

  • Drohnenaufnahmen mehrerer Pfeilerbasen am 4. August 2026
  • Reste weiterhin unter der Wasseroberfläche
  • regelmäßige Abstände der dokumentierten Basen
  • Anschluss an den bekannten Brückenverlauf Oescus–Sucidava

Noch zu untersuchen

  • Ergebnisse der angekündigten Detailauswertung der neuen Aufnahmen
  • exakte Erhaltungstiefe und Bauphasen jeder einzelnen Basis
  • vollständige Zahl der erhaltenen Pfeiler
  • präziser Zeitpunkt und Ablauf der Aufgabe des Bauwerks

Von Colonia Ulpia Oescus nach Sucidava

Die Brücke verband Colonia Ulpia Oescus am heutigen Dorf Gigen in Bulgarien mit Sucidava beim heutigen Celei, einem Stadtteil von Corabia in Rumänien. Antike Nachrichten und die nachweisbare Anwesenheit des Kaisers sprechen dafür, dass Kaiser Konstantin I. der Große (Flavius Valerius Constantinus) das Bauwerk am 5. Juli 328 persönlich einweihte. In den Quellen erscheint es als pons per Danuvium ductus – als über die Donau geführte Brücke. 3 4

Über Flussbett und nördliche Aue erstreckte sich die Anlage über mehr als 2,4 Kilometer; die Fahrbahn war annähernd sechs Meter breit. Massive steinerne Pfeiler und Widerlager trugen eine hölzerne Oberkonstruktion. Das Bauwerk verband nicht nur zwei Ufer, sondern ordnete einen ganzen Verkehrsraum: Es diente der kaiserlichen Herrschaft und militärischen Beweglichkeit ebenso wie Verwaltung, Handel und Zollverkehr an der unteren Donau. 2 3

Sonar und Magnetometrie zeichneten den Verlauf nach

Die Pfeilerreste wurden nicht erst durch das Niedrigwasser von 2026 bekannt. Eine 2017 ausgeführte hochauflösende Bathymetrie erfasste im Flussbett 27 mögliche Pfeilerspuren auf einer linearen Strecke von rund 820 Metern. Ihr mittlerer Abstand betrug etwa 30 Meter. 3 4

Im Herbst 2022 schloss eine Magnetometerprospektion auf der rumänischen Aue an. Sie wies auf einer Strecke von ungefähr 210 Metern sieben weitere, regelmäßig ausgerichtete Anomalien nach. Deren Flucht verbindet den bekannten nördlichen Brückenkopf bei Sucidava mit den im Fluss gemessenen Strukturen. Die acht nun auf bulgarischer Seite fotografierten Basen ergänzen daher ein bereits durch verschiedene Methoden gestütztes Gesamtbild. 3

Das Ende der Brücke bleibt eine Forschungsfrage

Über die Aufgabe der Brücke wird häufig sehr bestimmt gesprochen, die Beweislage ist jedoch weniger eindeutig. Museumsdirektor Volodya Popov nimmt an, dass die hölzerne Oberkonstruktion angesichts wachsender Einfälle an der Donaugrenze gegen Ende des 4. Jahrhunderts absichtlich verbrannt wurde, damit das Bauwerk nicht als Übergang dienen konnte. Diese Deutung ist plausibel, aber keine durch die neuen Bilder bereits bewiesene Zerstörungsgeschichte. 2

Die aktuelle Dokumentation muss noch ausgewertet werden. Gerade darin liegt ihr wissenschaftlicher Wert: Sie hält einen schwer zugänglichen Zustand fest, bevor steigendes Wasser die Strukturen wieder der direkten Beobachtung entzieht. Zugleich zeigt der Fall, warum Schlagzeilen vom plötzlich „aufgetauchten“ römischen Bauwerk zu kurz greifen. Neu ist nicht die Brücke, sondern die Qualität des vorübergehend möglichen Blicks auf ihre erhaltenen Basen.

Nachweise

Quellen und Beleglage

  1. 1 · Offizielle MuseumsmitteilungRegionales Historisches Museum Pleven: Team dokumentiert Reste der Konstantinsbrücke bei Ulpia Oescus

    Primärquelle zur aktuellen Dokumentation und Quelle des verwendeten Originalfotos.

  2. 2 · Zeitgenössischer BerichtBulgarische Nachrichtenagentur BTA: Interviews mit Volodya Popov und Pavel Popov

    Detailangaben zu Beobachtungstiefe, Bautechnik und den acht dokumentierten Basen; das BTA-Pressebild wurde nicht verwendet.

  3. 3 · FachpublikationOpriș et al.: Pons per Danuvium ductus. Date noi despre podul lui Constantin cel Mare dintre Oescus și Sucidava

    Peer-reviewte Studie zu historischen Quellen, Bathymetrie von 2017 und Magnetometrie von 2022, Cercetări Arheologice 29.2 (2022), 631–664.

  4. 4 · Archäologisches DenkmalregisterRepertoriul Arheologic Național: Podul roman de la Corabia – Podul lui Constantin

    Amtlicher Eintrag zu Lage, Forschungsgeschichte, Konstruktion und modernen Prospektionen.

Zusammenhang
Bauwerk
Pons per Danuvium ductus · Konstantinsbrücke
Südufer
Colonia Ulpia Oescus · heute Gigen
Nordufer
Sucidava · heute Celei/Corabia
Herrscher
Konstantin I. der Große · Flavius Valerius Constantinus
Flusslandschaft
Untere Donau
Institution
Regionales Historisches Museum Pleven