Kurz gesagt

Das Wichtigste

  • Tierplastik aus der Grabungskampagne 2025 in Gortyna
  • Fundbereich an der Nordstraße im Prätoriumsviertel
  • Datierung, Material und ursprüngliche Funktion sind noch offen

Während der Grabungskampagne 2025 in Gortyna kam eine plastische Tierdarstellung zutage, die in den ersten öffentlichen Meldungen als Angehörige der Familie der Schweine angesprochen wird. Der Fund ist bemerkenswert – doch seine Datierung, ursprüngliche Aufstellung und Funktion sind bislang nicht in einer abschließenden Fachpublikation vorgelegt.

Fund aus der Nordstraße

Die von Rita Sassu geleitete Kampagne konzentrierte sich auf die monumentale Straßenachse nördlich des Prätoriums. Das Team der Sapienza arbeitete dabei mit der Ephorie für Altertümer von Heraklion zusammen. Neben der flächigen Freilegung der gut erhaltenen Pflasterung stand die stratigraphische Dokumentation ihrer Bau-, Nutzungs- und Aufgabephasen im Zentrum. 1

Die Figur wurde im Oktober 2025 gemeinsam mit Ergebnissen dieser Kampagne öffentlich bekannt gemacht. Die zugänglichen Meldungen benennen das Motiv, das Grabungsprojekt und den Arbeitsbereich, liefern jedoch noch keinen vollständigen Objektkatalog mit Materialbestimmung, Maßen, Fundnummer und stratigraphischer Detailzuweisung. 3

Beleglage

Gesichert und noch offen

Öffentlich belegt

  • Grabungskampagne vom 14. Juli bis 9. August 2025
  • Leitung durch Rita Sassu und Kooperation mit der Ephorie
  • Fund einer Tierdarstellung aus der Familie der Schweine
  • Forschungsschwerpunkt an der nördlichen Straßenachse

Noch zu publizieren

  • präziser stratigraphischer Fundzusammenhang
  • Material, Maße, Erhaltungszustand und Inventarnummer
  • Datierung und ursprünglicher Aufstellungskontext
  • Funktion sowie mögliche religiöse oder soziale Bedeutung

Was die Figur noch nicht erklärt

Tierdarstellungen können in antiken Kontexten zahlreiche Rollen übernehmen: Sie erscheinen als Weihgaben, Ausstattungselemente, Grabbeigaben oder Bestandteile größerer Bildprogramme. Aus dem Motiv allein lässt sich keine dieser Funktionen ableiten. Auch Bezüge zu Kult, Fruchtbarkeit oder lokaler Ökonomie bleiben Hypothesen, solange Fundkontext, Datierung und Objektanalyse nicht gemeinsam ausgewertet sind.

Gerade deshalb ist der Fund wissenschaftlich interessant. Nicht die rasche symbolische Aufladung, sondern seine Einordnung in die dokumentierte Schichtenfolge der Nordstraße kann zeigen, wann und wie das Objekt in diesen Stadtbereich gelangte.

Senkrechte Luftaufnahme der freigelegten gepflasterten Nordstraße in Gortyna
Die Straßenachse im Grabungsareal aus der Luft. Bild: Scuola Archeologica Italiana di Atene

Gortyna als Forschungslandschaft

Die Arbeiten sind Teil einer langfristigen archäologischen und topographischen Untersuchung der Stadt. Das Sapienza-Projekt verfolgt die Entwicklung des urbanen Raums insbesondere zwischen hellenistischer und römischer Kaiserzeit und verbindet Ausgrabung mit luftgestützter Dokumentation und digitalen Geländedaten. 1

Für das Prätoriumsviertel liegt damit eine wachsende Folge räumlich und stratigraphisch verknüpfter Untersuchungen vor. Frühere Kampagnen der italienischen Mission dokumentierten unter anderem Monumente nördlich der Straße sowie deren Veränderungen von der hellenistischen bis in die spätantike Zeit. 2

Nachweise

Quellen und Beleglage

  1. 1 · ProjektkontextSapienza Università di Roma: Archaeological and topographical mission in Gortyna – Crete

    Projektbeschreibung, Forschungsschwerpunkte und Bibliographie.

  2. 2 · Institutioneller GrabungskontextScuola Archeologica Italiana di Atene: Notizie degli Scavi – Gortina di Creta (Kampagne 2022)

    Frühere Arbeiten der Mission im Prätoriumsviertel.

  3. 3 · Zeitgenössische FundmeldungPatris: Ένα μοναδικό εύρημα στο φως από τις ανασκαφές στη Γόρτυνα, 17. Oktober 2025

    Öffentliche Angaben zur Kampagne und zum Fund; Bildmaterial mit Nachweis der SAIA.

Zusammenhang
Antiker Ort
Gortyna
Region
Kreta
Projekt
Missione archeologica a Gortina
Person
Rita Sassu