Kurz gesagt

Das Wichtigste

  • Nahezu vollständig erhaltene zweisprachige Keilschrifttafel
  • Sechs hethitische und 64 hurritische Zeilen
  • Vollständige Textedition und historische Einordnung stehen noch aus

Die Tafel ist kein Bericht über den Untergang des Hethiterreichs um 1200 v. Chr. Nach der bislang öffentlich zugänglichen Lesung gehört sie rund zwei Jahrhunderte früher in eine Phase innerer Konflikte und äußerer Angriffe. Besonders wichtig ist die Verbindung eines kurzen hethitischen Abschnitts mit einem umfangreichen hurritischen Gebet.

Ein Schriftfund aus dem Bereich der Zitadelle

Büklükale liegt an einem strategischen Übergang über den Kızılırmak. Das Japanese Institute of Anatolian Archaeology untersuchte den Platz zunächst durch Surveys und begann 2009 mit systematischen Ausgrabungen. Auf dem Felssporn kamen monumentale Anlagen des 2. Jahrtausends v. Chr. zutage. 2

Schon ältere Tafelfragmente und Siegelabdrücke ließen Kontakte zum hethitischen Königshaus erkennen. Die nahezu vollständige Tafel wurde 2023 in der Nähe eines über 50 Meter langen Lehmziegelbaus gefunden, der als palatialer Komplex interpretiert wird. 1 3

Sechs hethitische, 64 hurritische Zeilen

Nach der von Mark Weeden vorbereiteten Lesung nennen die ersten sechs Zeilen in hethitischer Sprache eine militärische Katastrophe, die vier Städte betrifft. Der weitaus längere hurritische Abschnitt enthält ein an den Wettergott Teššub gerichtetes Gebet um Sieg und Rat. 1

Beleglage

Gesichert und noch offen

Im Vorbericht angegeben

  • Fund einer nahezu vollständigen Tafel in der Kampagne 2023
  • zweisprachiger Aufbau mit hethitischem und hurritischem Abschnitt
  • sechs hethitische und 64 hurritische Zeilen
  • Gebet an den hurritischen Wettergott Teššub

Erst durch die Edition prüfbar

  • vollständige Transliteration und Übersetzung
  • genaue paläographische und archäologische Datierung
  • Identifikation der vier Städte und der beteiligten Akteure
  • konkrete Verbindung mit Tudḫaliya II. und einem königlichen Ritual

Was die Tafel nicht belegt

Der Fund erklärt nicht den späteren Zusammenbruch des Hethiterreichs. Die vorgeschlagene Einordnung um 1370 v. Chr. liegt deutlich vor den Umbrüchen am Ende der Spätbronzezeit. Auch die Gleichsetzung der genannten Krise mit einem bestimmten bekannten Feldzug bleibt von Textedition und historischer Argumentation abhängig.

Gerade diese Trennung ist wichtig: Eine vorläufige Lesung kann eine plausible historische Situation sichtbar machen, ersetzt aber weder den edierten Text noch die Diskussion abweichender Ergänzungen und Übersetzungen.

Ausgrabungsfläche auf der Zitadelle von Büklükale
Ausgrabungen im monumentalen Bereich von Büklükale. Bild: Kimiyoshi Matsumura · Japanese Institute of Anatolian Archaeology

Warum der hurritische Abschnitt zählt

Hurritisch begegnet am hethitischen Hof besonders in religiösen Kontexten. Der lange Gebetsteil kann daher neue Einblicke in rituelle Sprache, Textüberlieferung und die kulturelle Verflechtung der höfischen Eliten bieten. Sein wissenschaftlicher Wert liegt weniger in einer dramatischen „Enthüllung“ als in diesem seltenen philologischen Zusammenhang. 1

Nachweise

Quellen und Beleglage

  1. 1 · Fachwissenschaftliche FundvorstellungCécile Michel: The Hittite king prayed in Hurrian, CSMC, 24. April 2024

    Zusammenfassung der vorläufigen Lesung; mit ausdrücklichem Hinweis auf die noch ausstehende Edition.

  2. 2 · GrabungsprojektJapanese Institute of Anatolian Archaeology: Büklükale – About the Site

    Institutionelle Projektseite zu Lage, Forschungsgeschichte und Grabungszielen.

  3. 3 · ForschungskontextKimiyoshi Matsumura / Mark Weeden: Büklükale in the Hittite Period, 2019

    Überblick zu Architektur, Chronologie und älteren Schriftfunden des hethitischen Fundorts.

Zusammenhang
Antiker Ort
Büklükale
Kulturraum
Hethitisches Anatolien
Sprache
Hurritisch
Personen
Kimiyoshi Matsumura · Mark Weeden